Update vom 1.12.2020 (Zwischenbilanz aus dem Adventskalender 2020)

Wie sich Payback einen BigBrotherAward verdiente

Im Jahr 2000 erhielt die „Loyalty Partner Gesellschaft für Kundenbindungssysteme“ einen BigBrotherAward in der Kategorie Business & Finanzen für die im März 2000 eingeführte Payback-Karte. In der (immer noch erschreckend aktuellen) Laudatio wird kein konkreter Fall von Datenmissbrauch nominiert. Stattdessen machten wir die Öffentlichkeit darauf aufmerksam, dass mit riesigem Werbeaufwand und großer Reichweite eine äußerst gefährliche Struktur aufgebaut wurde. Konsumgewohnheiten von Bürgerinnen und Bürgern werden heimlich ausgeforscht, ausgewertet und auf unabsehbare Zeit gespeichert.

Der Nachklang des BigBrotherAwards

Am 1. Februar 2001 bekam das Payback-System auch vom Landgericht München die rote Karte. Das Gericht verbot, die in den Antragsformularen enthaltenen zentralen Einwilligungsklauseln zur Datenverarbeitung zu verwenden. Grund waren Passagen der Payback-Teilnahmebedingungen, die auch in den BigBrotherAwards kritisiert worden waren. Payback musste daraufhin sämtliche Teilnahmeformulare vom Markt nehmen und komplett neu gestalten. Ein erster großer Erfolg.

Ein weiteres Gerichtsverfahren folgte 2008. Der Bundesgerichtshof verbot nach einer Klage der Verbraucherzentralen eine Klausel im Payback-Anmeldeformular. Von nun an durfte Payback ohne ausdrückliche Zustimmung keine Werbung mehr per SMS oder E-Mail schicken.

Die Privacy Card

Im Frühjahr 2001 entstand unsere Idee, Paybacks Analysen zur Profilbildung von Personen zu verwirren. Mit einer eigenen Karte, der „Privacy Card“. Gesagt, getan: Eine neue Karte wurde beantragt und produziert – 2000 Mal! Immer mit derselben Nummer – inklusive Barcode und Magnetstreifen. Weil die Karten alle identisch waren, wurden die gesammelten Punkte alle einem – unserem – Konto gut geschrieben. Schon bald waren Privacy Cards in der ganzen Bundesrepublik unterwegs. 

Payback aber geriet dadurch in ein Dilemma: Entweder mussten sie das gemeinsame anonyme Punktesammeln dulden oder ihre wahren Interessen – Informationen über Einzelpersonen abschöpfen – offenlegen. Nach immer mehr Presseberichten entschied sich Payback nach einem halben Jahr für zweiteres. Sie bestätigten damit, dass es ihnen nicht um Kundenbindung, Spaß haben und Punkte sammeln geht, sondern ums Datensammeln. Bis dahin sammelten wir 25.000 Punkte, die als Rabatt bei Payback abgerufen und als Spenden auf ein Sonderkonto des FoeBuD übertragen wurden.

Payback heute

Payback ist nach wie vor der größte und bekannteste Anbieter einer „Rabatt“-Karte. Und das, obwohl vielfach nachgewiesen wurde, dass das Punktesammeln für Verbraucher.innen so gut wie keinen Nutzen hat – die Einsparungen liegen meist bei weniger als einem Prozent.

Seien Sie sich Ihrer Daten bewusst

„Wir meinen: Kundenbindung durch Rabattgewährung ist o.k. – doch Kundenbindung lebt auch von Vertrauen. Eine Firma aber, die so wenig Transparenz über ihre Geschäftspraktiken pflegt, verdient kein Vertrauen – sondern den BigBrotherAward!“ (Zitat aus der Laudatio)