BigBrotherAwards 2005

Otto Schily erhielt 2005 schon seinen zweiten BigBrotherAward. Nachdem die Jury ihn 2001 in der Kategorie "Politik" auszeichnete, prämierte sie nun sein Lebenswerk. Das zeigt, dass wir unsere Arbeit weiter fortsetzen müssen! Weitere Auszeichnungen gab es für die Landesregierung Niedersachsen sowie für Richter.innen und zahlreiche Organisationen, die Videoüberwachung verwenden.

Aktuelles

  • Der Termin für die nächsten BigBrotherAwards steht fest: Am Freitag, 5. Mai 2017 um 18 Uhr vergeben wir wieder die „Oscars für Datenkraken“.
  • Karten für die nächste Verleihungsgala gibt es im Vorverkauf im Shop und an der Abendkasse.
  • Die Preisträger.innen der BBA 2016 finden Sie auf der Jahresseite 2016

Die Preisträger 2005

Lebenswerk: Otto Schily

Otto Schily, ehemaliger Bundesminister des Inneren, erhält einen BigBrotherAward aktuell für die undemokratische Einführung des biometrischen Reisepasses, dessen Technik unausgereift und unsicher ist und der zu einer erkennungsdienstlichen Behandlung der gesamten Bevölkerung führt.
Otto Schily erhält den Preis auch für sein "Lebenswerk", nämlich für den Ausbau des deutschen und europäischen Überwachungssystems auf Kosten der Bürger- und Freiheitsrechte und für seine hartnäckigen Bemühungen um die Aushöhlung des Datenschutzes unter dem Deckmantel von Sicherheit und Terrorbekämpfung.

Wirtschaft: Saatgut Treuhand

Die Saatgut Treuhand Verwaltungs GmbH, vertreten durch Geschäftsführer Dirk Otten, erhält einen BigBrotherAward für Datensammlung über Bauern; Verklagen von mehreren tausend auskunftsunwilligen Landwirten; Beschaffung der Kundendaten von Genossenschaften und verdeckte Testeinkäufe bei Bauern. Die Bauern werden von der Saatgut Treuhand verdächtigt, Kartoffeln oder andere Feldfrüchte aus ihrer eigenen Ernte zur Aussaat im nächsten Jahr zu verwenden und für den Aufbau einer zentralen Kontrollstruktur zum Eintreiben der sogenannten Nachbaugebühren im Dienste der Saatgutindustrie.

Behörden & Verwaltung: Landesregierung Niedersachsen

Die Regierung des Landes Niedersachsen, vertreten durch den Ministerpräsidenten Herrn Christian Wulff, erhält einen BigBrotherAward für die Zerschlagung der Datenschutzaufsicht in Niedersachsen. Die Aufsicht über den Datenschutz in der Wirtschaft soll ab 1.1.2006 dem niedersächsischen Innenministerium zugeordnet werden. Dies konterkariert das jüngst von der EU-Kommision gegen Deutschland eingeleitete Vertragsverletzungsverfahren wegen Missachtung der EU-Datenschutzrichtlinie. Die EU-Richtlinie fordert völlige Unahängigkeit der Datenschutzaufsicht.

Kommunikation: Generalstaatsanwalt Schleswig-Holstein

Generalstaatsanwaltschaft des Landes Schleswig-Holstein, vertreten durch Erhard Rex, erhält einen BigBrotherAward für die großflächige Fahndung nach Zeugen (die wie Verdächtige behandelt wurden) mittels Handy-Ortung. Es handelt sich um die erste Funkzellen-Massenabfrage -- Mobilfunkunternehmen wurden zur Herausgabe sämtlicher Verbindungsdaten einer Region gezwungen. Die Einsicht in die zugehörigen Akten wurde den Datenschützern des Landes Schleswig-Holstein, die den Fall prüfen wollten, verweigert.

Verbraucherschutz: WM-Organisationskomittee

Das WM-Organisationskomittee des DFB, vertreten durch Franz Beckenbauer, erhält einen BigBrotherAward für die inquisitorischen Fragenbögen zur Bestellung von WM-Tickets, für die geplante Weitergabe der Adressen an die FIFA und deren Sponsoren und für die Nutzung von RFID-Schnüffelchips in den WM-Tickets und damit den Versuch, eine Kontrolltechnik salonfähig zu machen zum Nutzen eines WM-Sponsors (RFID-Hersteller Philips).

Politik: Volker Bouffier

Der Hessische Minister des Inneren, Volker Bouffier, bekommt einen BigBrotherAward für das "präventive" Orten und Abhören von Mobiltelefonen; für die DNA-Analyse bei Kindern unter 14 Jahren, die eine Straftat begangen haben zu deren zukünftiger Strafverfolgung; für die Befugnis der hessischen Polizei, Kfz-Kennzeichen auch ohne Straftatverdacht zu scannen und für den Einsatz von Videoüberwachung bei Personenkontrollen.

Über die BigBrotherAwards

Die BigBrotherAwards prämieren Datensünder in Wirtschaft und Politik und wurden deshalb von Le Monde „Oscars für Datenkraken“ genannt.  Die BigBrotherAwards sind ein internationales Projekt: In bisher 19 Ländern wurden fragwürdige Praktiken mit diesen Preisen ausgezeichnet.

In Deutschland werden sie organisiert und ausgerichtet von Digitalcourage, Mitveranstalter sind unter anderem die DVD, ILMR und der CCC.