BigBrotherAwards 2020

Im Corona-Jahr mussten die BigBrotherAwards in den Herbst verschoben werden. Zu den schon im April ausgewählten sechs Preisträgern Tesla, Innenministerkonferenz, BrainCo, Bundesregierung und H&M gesellte sich deshalb noch kurzfristig Susanne Eisenmann hinzu.
Der Publikumspreis ging an die Innenministerkonferenz für ihre Geschichtsvergessenheit.

Corona hat auch uns gebeutelt

Wir mussten die Veranstaltung verschieben und hatten dadurch einige Mehrkosten. Noch dazu konnte es in diesem Jahr nur sehr wenige Zuschauer.innen vor Ort geben, wodurch uns Einnahmen für den Eintritt fehlen. Deshalb freuen wir uns in diesem Jahr besonders über Spenden.

Video von der Gala

Das Video wird freundlicherweise auf media.ccc.de zur Verfügung gestellt.

Die Jury 2020

Rena Tangens & padeluun (Digitalcourage)
Thilo Weichert (Deutsche Vereinigung für Datenschutz und Netzwerk Datenschutzexpertise)
Frank Rosengart (Chaos Computer Club)
Prof. Dr. Peter Wedde (Institut für Datenschutz, Arbeitsrecht und Technologieberatung)
Dr. Rolf Gössner (Internationale Liga für Menschenrechte)
Gastautorinnen: Claudia Fischer, Jessica Wawrzyniak (Digitalcourage), Leena Simon (muendigkeit.digital und Digitalcourage)

BigBrotherAwards 2020: Preise und Beiträge

Mobilität: Tesla

Tesla, vertreten durch die Tesla Germany GmbH, München, erhält den BigBrotherAward 2020 in der Kategorie „Mobilität“ dafür, dass sie Autos verkaufen, die ihre Insassen und die Umgebung des Autos umfassend und langfristig überwachen. Die erhobenen Daten werden permanent ausgewertet und können für beliebige Zwecke weiter genutzt werden.

Behörden und Verwaltung: Innenminister des Landes Brandenburg, Michael Stübgen, und sein Vorgänger, Karl-Heinz Schröter

Der Innenminister des Landes Brandenburg, Michael Stübgen, und sein Vorgänger, Karl-Heinz Schröter, erhalten den BigBrotherAward 2020 in der Kategorie „Behörden und Verwaltung“ für die dauerhafte Speicherung von Autokennzeichen. In Brandenburg werden seit vielen Jahren Fahrzeug-Informationen in über 40 Millionen Datensätzen im sogenannten „Aufzeichnungsmodus“ des Kennzeichen-Erfassungssystems KESY dauerhaft gespeichert, obwohl das Bundesverfassungsgericht diesbezüglich klare Grenzen gezogen hat.

Bildung: Firma BrainCo und der Leibniz-Wissenschaftscampus Tübingen

Die Firma BrainCo erhält den BBA in der Kategorie „Bildung“ für ihre EEG-Stirnbänder, die mittels Gehirnstrommessung angeblich die Konzentration von Schülerinnen und Schülern messen können. Der Konzentrationsgrad wird von einer LED auf dem Stirnband angezeigt und per Funk an den Lehrerrechner übermittelt. In USA und China wird diese Technik bereits in Klassenzimmern eingesetzt. Weiterer Preisträger ist der Leibniz-Wissenschaftscampus Tübingen, der ähnliche EEG-Stirnbänder auch in Deutschland erprobt, kombiniert mit Eyetracking. Das ist Dressur statt Bildung.

Politik: die Bundesregierung

Die Bundesregierung (CDU/CSU–SPD) erhält den BigBrotherAward 2020 in der Kategorie „Politik“ wegen ihrer rechtlichen und politischen Mitverantwortung für den völkerrechtswidrigen US-Drohnenkrieg, der über die Datenrelais- und Steuerungsstation der US-Militärbasis Ramstein/Pfalz abgewickelt wird. Von hier, also von deutschem Boden aus, werden bewaffnete Drohneneinsätze zur Ausforschung von Zielpersonen und zu illegalen Hinrichtungen angeblicher Terroristen im Nahen und Mittleren Osten gesteuert, denen regelmäßig unbeteiligte Zivilpersonen zum Opfer fallen.

Arbeitswelt: Hennes & Mauritz (H&M)

Die H&M Hennes & Mauritz B.V. & Co. KG in Hamburg erhält den BBA 2020 in der Kategorie „Arbeitswelt“ für jahrelange, hinterhältige und rechtswidrige Verarbeitung von Beschäftigtendaten im H&M-Kundencenter in Nürnberg. H&M hat hier Daten über Krankheiten von Mitarbeitern ebenso gesammelt wie über die von Angehörigen oder Kollegen. Diese Informationen haben H&M-Teamleiter im Rahmen von freundlichen Gesprächen am Arbeitsplatz oder in der Kaffeeküche erfragt.

Geschichtsvergessenheit: Innenministerkonferenz der Bundesrepublik Deutschland

Die Innenministerkonferenz der Bundesrepublik Deutschland erhält den BigBrotherAward 2020 in der Kategorie „Geschichtsvergessenheit“ für die Absicht, auf der Basis der Steuer-Identifikationsnummer eine lebenslang gültige Personenkennziffer einzuführen. Derartige Personenkennziffern wurden in den zwei Diktaturen auf deutschem Boden – im Nazideutschland und in der DDR – zur Erfassung, zur Repression bis hin zur Vernichtung genutzt. Sie widersprechen dem Geist des Grundgesetzes.

Über die BigBrotherAwards

Die BigBrotherAwards prämieren Datensünder in Wirtschaft und Politik und wurden deshalb von Le Monde „Oscars für Datenkraken“ genannt.  Die BigBrotherAwards sind ein internationales Projekt: In bisher 19 Ländern wurden fragwürdige Praktiken mit diesen Preisen ausgezeichnet.

In Deutschland werden sie organisiert und ausgerichtet von Digitalcourage, Mitveranstalter sind unter anderem die DVD, ILMR und der CCC.

Ergebnis der Publikumsabstimmung

  1. Geschichtsvergessenheit (Innenministerkonferenz)
  2. Bildung (BrainCo und Leibniz-Wissenschaftscampus Tübingen)
  3. Mobilität (Tesla)
  4. Digitalisierung (Baden-Württembergs Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann)
  5. Politik (Bundesregierung)
  6. Arbeitswelt (H&M)
  7. Behörden (Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen und vorher Karl-Heinz Schröter)