Es ist mir eine wirkliche Freude, einige Worte zu den diesjährigen Big Brother Awards sagen zu dürfen.

Bevor ich beginne, möchte ich den Organisatoren und Unterstützern der Awards meine herzlichsten Glückwünsche aussprechen. Österreich, Deutschland und die Schweiz haben in enger Zusammenarbeit Veranstaltungen von hervorragender Qualität hervorgebracht. Ihre Initiative und Motivation waren vorbildlich. Der 26. Oktober wird zweifellos ein ernüchternder Tag für viele Eindringlinge in die Privatsphäre und gleichzeitig ein wunderbarer Festtag für Freunde der Privatsphäre werden.

Die Awards sind zu einem hervorragenden Erfolg geworden. Seit 1998 haben sie sich von Großbritannien, den USA und Österreich nach Deutschland, in die Schweiz, nach Frankreich und sehr bald nach Ungarn, Dänemark und in die Niederlande verbreitet. Und noch mehr Länder bereiten eine Preisvergabe in der nahen Zukunft vor.

Der Bedarf für Big Brother Awards war noch nie so dringend. Seit den tragischen Ereignissen vom 11. September haben sich Angriffe auf Privatsphäre und Datenschutz noch über unsere schlimmsten Befürchtungen hinaus beschleunigt. Regierungsvertreter in Ost und West haben für die gemeinsame Suche nach einer größeren gesellschaftlichen Sicherheit eine "Neubewertung" individueller Freiheiten und der Privatsphäre proklamiert. In anderen Worten, die Regierungen streben nach einer deutlichen Ausweitung der Möglichkeiten des Staates, alle Bürgerinnen und Bürger zu kontrollieren und möglichst viele Menschen umfassend zu überwachen.

Einige der Überwachungsinitiativen, die in den letzten Wochen vorgeschlagen wurden, haben vielleicht einen gewissen Nutzen, aber die meisten wollen einfach die Gunst der Stunde nutzen und schlechte Vorschläge der Vergangenheit, die bisher nicht ausreichend Unterstützung fanden, nun erneut durchsetzen.

Einige Politiker haben bereits den Schutz der Privatsphäre ins Visier genommen und suggerieren, daß dieses Grundrecht terroristische Aktivitäten fördere und die Arbeit der Rechtsorgane behindere.

Dieser Trend hat sich über mehrere Jahre hinweg abgezeichnet und die Gesetzgebung in vielen Ländern geprägt. Betroffen von einer Zunahme zivilen Ungehorsams, hat man zu Einschnitten in die Rechte der Bewegungs- und Versammlungsfreiheit gegriffen. Sorgen über gesetzfreie Räume im Internet boten einen Nährboden für neue, weitreichende Befugnisse in der staatlichen Kommunikationsüberwachung. Ängste vor Verbrechen spornten Regierungen an, die Verbreitung der Videoüberwachung zu propagieren. In Folge solcher Aktionen können freiheitliche Gesellschaften bald zu Überwachungsgesellschaften werden.

Mit jeder neuen Welle öffentlicher Angst über Verbrechen und Unsicherheit wird die empfindliche Waage zwischen staatlicher Macht und individuellen Rechten neu tariert. Leider wird diese Neuausrichtung meist weder von einer öffentlichen Diskussion noch von besonnener Abwägung begleitet. Die Bedrohung wird selten abgeschätzt, Folgen werden selten vorausgesehen, Alternativen selten erwogen. Die jüngsten Ereignisse in den USA können werden diese gesellschaftlichen Gräben nur noch weiter vertiefen können.

Die Big Brother Awards am 26. Oktober werden ein wichtiges Mittel sein, die Öffentlichkeit auf die aktuelle Bedrohung des Rechtes auf Privatsphäre aufmerksam zu machen. Die Awards werden Privatsphären-Verletzern zeigen, daß die Beobachter beobachtet werden. Und vor allem werden diese Veranstaltungen viele Unterstützer und Schützer der Privatsphäre aktivieren.

Ich möchte nochmals allen Beteiligen an den Awards meine herzlichsten Glückwünsche aussprechen. I freue mich und bin gespannt auf einen aufregenden und wichtigen Abend.

Simon Davies
Gründer und Direktor von "Privacy International"