Stille Trennung von der Sprach-KI
2018 sollte es die Zukunft der Personalauswahl werden: Statt aufwendiger Vorstellungsgespräche bloß ein halbstündiges Telefonat mit dem Computer. Talanx-CEO Torsten Leue schwärmte damals von der Software, die per Sprachanalyse angeblich die Persönlichkeit von Bewerber.innen durchleuchten und zum Bruchteil der Kosten eines klassischen Assessment-Centers vorsortieren sollte. Die Euphorie hielt nicht lange. Fehlende wissenschaftliche Evaluierung, Datenschutzbedenken und der BigBrotherAward 2019 ramponierten den Ruf des Aachener Anbieters. Talanx zog im November 2020 als Hauptaktionär still die Reißleine, Precire wurde 2021 liquidiert. Offizielle Gründe nennt der Konzern bis heute nicht. Nur so viel: Im Recruiting soll künftig wieder der Mensch entscheiden.