Update vom 28.2.2018 (Jahrbuch 2019, S. 104-105)

Monsanto forderte die Herausgabe von Unterlagen von Online-Petitions-Plattform

Es traf nicht change.org, sondern eine ähnliche Online-Petitions-Plattform: avaaz.org bekam im Februar 2018 eine 168seitige Anklageschrift des durch Gentechnik und Umweltgifte wie Glyphosat in Verruf geratenen Saatgut-Konzerns Monsanto (übrigens inzwischen aufgekauft von der Bayer AG, siehe oben). Monsanto forderte von avaaz.org die Herausgabe von Unterlagen, Korrespondenzen und E-Mail-Adressen von Menschen, die Petitionen gegen den Einsatz von Glyphosat unterschrieben haben.

Auch wenn Monsanto die Drohung nicht wahrgemacht hat: Das war ein Dammbruch! Hier wendet sich ein Konzern nicht nur gegen eine Organisation, die Kritik übt, sondern er fordert auch die Daten der Einzelpersonen ein, die diese Kritik unterstützen. Sie haben wohl gedacht „Frechheit siegt“ und „Versuch macht kluch“.

Wir können nur wiederholen, wie wichtig es ist, mit den Daten von Online-Unterschriftensammlungen höchst gewissenhaft umzugehen. Sowohl Avaaz.org als auch change.org speichern ihre Unterschriftenlisten in den USA und wir werden nicht müde zu betonen, dass dort auch US-Behörden und Geheimdienste über den FISA Act Zugriff darauf fordern können.

Change.org haben wir aus genau diesem Grunde 2016 einen BigBrotherAward verliehen – kurz nach der Preisverleihung 2016 tauchte übrigens in Italien eine Preisliste auf, mit der Change.org seine gesammelten Adressen zum Kauf anbot (unser Blog-Artikel dazu ist über die Jahrbuch19-Webseite verlinkt).