Social-Media-Verbot für junge Menschen
Ein Social-Media-Verbot wird eifrig diskutiert, doch selten kommen dabei auch die Betroffenen zu Wort. Mitglieder der Teckids-Gemeinschaft zwischen 9 und 22 Jahren teilen bei den BigBrotherAwards ihre eigene Sicht auf das Vorhaben. Sie haben sich dazu einen Vergleich ausgedacht: Ein Freizeitpark mit einer gefährlichen Achterbahn. Wiederholt gibt es Unfälle mit vielen Verletzten. Doch anstatt die Achterbahn zu schließen oder sicher zu machen, wird von der Politik ein Freizeitpark-Verbot für Kinder und Jugendliche beschlossen. Die Einlasskontrollen lassen sich aber mit angeklebten Bärten und Hüten umgehen. Die gefährliche Achterbahn bleibt in Betrieb und es kommen auch weiterhin Menschen zu Schaden. Nur die Kinder, die sich freiwillig an das Verbot halten, müssen erleben, dass sie ausgegrenzt werden. Die Situation hat sich durch das Verbot nicht entschärft.
Die Vorführung setzt sich aus Video-Einspielern und Darstellungen auf der Bühne zusammen. Mit der Game-Engine Luanti und der 3D-Modellierungs-Software Blender wurden Szenen mit der Achterbahn dargestellt und, wie auch eine Nachrichtensendung, als Video abgespielt. Auf der Bühne wird gezeigt, wie sich die Kinder verkleiden, um dennoch in den Freizeitpark zu gelangen. Der Beitrag endet mit einem Interview mit zwei Teckids-Mitgliedern.
So begründet die Teckids-Gemeinschaft ihre Kritik:
- Statt Verboten gegen Personengruppen müssen die Plattformen reguliert werden. Die süchtig-machenden Algorithmen, der Missbrauch von Daten und personalisierte Werbung schaden auch Erwachsenen und gefährden die Demokratie. Hiergegen gibt es schon Gesetze. Warum werden sie nicht angewendet?
- Es werden weiterhin keine sicheren Räume für alle geschaffen. Wir werden ausgesperrt, aber Lösungen wie das Fediverse, die wirklich Probleme beseitigen, werden nicht gefördert oder gestaltet. Im schlimmsten Fall sind diese Lösungen sogar noch schlimmer vom Verbot betroffen, weil sie keine Zugangskontrollen einführen können.
- Zugangskontrollen werden von den Plattformen durchgeführt. Sie erhalten also noch mehr Daten, statt anständig reguliert zu werden. Davon sind auch Erwachsene betroffen, denn die müssen ja auch durch die Kontrolle.
- Prinzipiell lehnen wir nicht ab, dass etwas zu unserem Schutz getan werden soll. Denn viele aktuelle Social-Media-Plattformen sind wirklich problematisch und absichtlich so gestaltet, dass sie süchtig machen, Daten missbrauchen und populistische Sichtweisen stärken.
- Wenn unsere Räume nicht kinder- und jugendgerecht sind, müssen wir das ändern und nicht Kinder und Jugendliche aussperren. Öffentliche Räume, auch im Digitalen, müssen für alle zugänglich und sicher sein.
- Ein Zugangsverbot löst das Problem gar nicht. Politiker können behaupten, dass sie etwas tun würden. Aber das geht auf unsere Kosten.
- Wir wollen selbst entscheiden können. Dazu brauchen wir Unterstützung im Umgang mit diesen Plattformen und generell gute Wege zur (digitalen) Mündigkeit. Aber das bringt auch nur dann etwas, wenn wir dann auch die Option haben, entsprechend zu handeln.
- Die Zugangskontrollen sind unsicher und können umgangen werden. Es gibt also weiter Ausgrenzung – das Verbot trifft vor allem die, die eigentlich kooperativ sind und sich an Regeln halten. Also gerade diejenigen, bei denen auch Absprachen und Aufklärung funktionieren würden.
Als mitzeichnende Organisation eines EU-weiten Bündnisses aus Jugendorganisationen wendet sich Teckids auch an die Politik und die Öffentlichkeit. Ein offener Brief wurde Ursula von der Leyen im Rahmen ihrer Ansprache zum „State of the European Union“ überreicht. Als Meinungskommentar, der von der Presse aufgegriffen werden soll, ist er hier zu finden: https://teckids.org/blog/2026/04/veraenderung-statt-verbote/
International teilen Fachverbände aus dem Kinder- und Jugendschutz die Kritik an den politischen Vorhaben.